Gedankenleine

Heute hänge ich meine Gedanken
an die Wäscheleine, saubere sind es,
große und kleine. Manche flattern
mutig mit dem Wind, andere hängen
nur so taumelnd da, und wundern sich
darüber wie ihnen geschah. Und manchmal
passiert es, dass einer der Gedanken
mir in der frischen Sommerbrise entwischt.
Er steigt dann hinauf, und wird zum Traum,
der sich im nächsten Vogelschwarm verliert.

Neubeginn

Völlig aufgehen in den Klängen,
die die Welt durchziehen und
ein dumpfes Rauschen in meiner
Ohrmuschel zurücklassen,
welches an die Wellen des Meeres
erinnert. Mit Seemöwen und
Tagpfauenaugen Pirouetten durch
die Landschaft ziehen. Und mir
meinen Weg durch Lebenswelten
wie eine Dampflok bahnen.

Hüpfend wie ein kleines Kind
die Pfützen zu Ozeanen erklären.
Mutig mit den Schatten an den Wänden
neue Abenteuer bestreiten und
der geheime Geschichte der
Schranktüre lauschen. Bis alles
in tiefer Geborgenheit endet,
und wir am Anfang angekommen sind.

Winterreigen

Schneereigen umspielt zart meine Lippen.
Das Winterlied der Welt erklingt
aus einem alten, rostigen Grammophon.
Akkorde bringen die Luft zum Vibrieren
und ein noch unbekannter Rhythmus ergreift mich
und meinen Rockzipfel.
Der Kübelreiter neben mir
lässt die Kohlenstücke fallen,
mit denen er sein Haus heizen wollte,
und ergreift meine eisige Hand.
Gemeinsam tanzen wir unseren Weg fort,
um der Kälte zu trotzen
haben wir Walzer geübt
draußen, in der Wärme unserer Herzen.

Haarnester

In meinen Haaren hat sich der Raureif eingenistet
dort sitzt er nun wie ein junges Amselpaar und
zerrupft meine Gedanken und Träume.
Bis von ihnen nichts mehr übrig bleibt, nur
Rauchwolken vor meinem Mund,
die meine Sicht auf die Welt trüben
und mir einreden ich wäre in einer
dicken Nebelwand gefangen genommen.